Einstreu für die Pferdebox

Stroh, Späne, Flachs, Stallmatten..? Bei der großen Auswahl an Einstreu, ist es schwierig einen Überblick zu bekommen um die richtige Einstreu für sein Pferd zu finden – falls es nicht sowieso vom Stallbesitzer vorgegeben ist. Wir stellen in diesem Artikel verschiedene Einstreu-Varianten vor.

einstreu fuer die pferdebox
Stroh – die am häufigsten verwendete Einstreu (Bild: Pixabay)

Fakt ist: Stroh als Nebenprodukt der landwirtschaftlichen Ernte ist bereits seit Jahrhunderten in Pferdeboxen zu finden und auch heute noch die meist verwendete Einstreu. Das Stroh selbst ist zunächst locker und luftig, bildet aber bei geringer Menge und unruhigen Pferden keinen rutschfesten Untergrund. Auch die Saugfähigkeit ist von Sorte zu Sorte unterschiedlich und bei niedriger Einstreuhöhe schlecht, in den meisten Ställen wird daher die sogenannte Mattenhaltung angewandt. Dies bedeutet, es werden beim Misten nur die Pferdeäpfel entfernt und eine weitere Strohschicht übergestreut, sodass eine  komfortable Matratze gebildet wird.

Inzwischen gibt es viele Varianten für Alternativeinstreu, welche sich in drei Gruppen einteilen lassen: Einstreu aus Holz (z.B. Späne, Granulat oder Pellets), bearbeitetes Getreidestroh (z.B. Pellets, Taler oder Mehl) und andere aufbereitete Pflanzenfasern (z.B. Flachs oder Hanf).

Gern gesehen -und vor allem bei Allergikern beliebt- sind Späne als Einstreu. Späne sind staubärmer als Stroh und nehmen im Vergleich Feuchtigkeit besser auf. Tägliches Misten aber auch eine Art Mattenhaltung sind möglich, denn mit einer speziellen Bollengabel lassen sich nicht nur Pferdeäpfel, sondern auch nasse Stellen problemlos entfernen. Schwierig ist oftmals die Entsorgung:  Späne bzw. das verarbeitete Holz benötigt deutlich mehr zum Verrotten als Stroh und große Mengen können zu einer Übersäuerung des Bodens führen – viele Landwirte oder andere Verwerter weigern sich deshalb, Mist mit einem Großteil an Spänen abzuholen. Beim Kauf muss unbedingt auf den Feuchtigkeitsgehalt (sollte zwischen 12 – 15 Prozent liegen) geachtet werden, trockene Späne nehmen Feuchtigkeit besser auf, sind nicht anfällig für Schimmel und sind staubarm.

Als Alternative zu Spänen wird vermehrt Leinstroh (oft auch Flachshäcksel genannt) eingesetzt. Es wird aus Flachs gewonnen und ist, wie auch Späne, in handlichen Ballen erhältlich. Als Vorteil erweist sich hier die einfache Kompostierbarkeit des Leinstrohs. Als Nebenprodukt der Leinölgewinnung wird es mehrmals entstaubt, ist durch den besonderen Anbau und Faseraufbau  frei von Pflanzenschutzmitteln und aufgrund seiner natürlichen Bitterstoffe für Pferde ungenießbar. Das Absorptionsvermögen von Leinstroh ist ca. 12-mal höher als bei Stroh und ca. viermal höher als bei Holzspänen. Die ca. 1 cm langen Flachsteilchen bieten eine gute Trittfestigkeit, denn sie bilden eine leichte und federnde Liegeschicht und das Mistvolumen wird erheblich reduziert.

Strohpellets werden bei Temperaturen über 100 Grad unter sehr hohem Druck gepresst, wodurch die Staubentwicklung vermindert und Keime und Pilzsporen abgetötet werden sollen. Als pferdegerechtes Einstreu sollten hierbei keine chemischen Materialien eingesetzt werden, sodass der entstandene Mist ohne weiteres als Düngemittel dienen kann. Die Besonderheit bei Strohpellets: Nach dem erstmaligem Einstreuen müssen sie mit Wasser angegossen werden, sodass die Pellets aufquellen und eine weiche und trittfeste Matte bilden – abäppeln und das Entfernen der nassen Stellen ist auch hier problemlos machbar.

Ein weiteres Produkt auf Strohbasis ist Strohgranulat, das sich aus zerkleinerten Strohpellets zusammensetzt. Durch dieses mehrstufige Verfahren wird der Staubgehalt erheblich reduziert und es soll – laut einiger Hersteller – die höchste Aufnahmefähigkeit bieten. Empfohlen wird oftmals eine Mischform von Strohgranulat und Gummimatten, um eine kostengünstige und gesunde Haltung zu ermöglichen.
Auch Strohmehl wird in vielen Schritten ausgefasert und verliert hierdurch seine natürliche Wachsschicht – so ist es nochmals saugfähiger als das eigentliche Langstroh. Optisch gleicht es den Flachshäckseln, nicht dem Mehl im eigentlichen Sinn.

Kommen wir zu einem (noch) etwas unbekannteren Produkt:
HIPPODUNG® ist eine Einstreu, die aus Holzpellets (gepresste Fichtenholzspänen) bzw. Miscanthus, einer Schilfart, bestehen. Wie auch Strohpellets müssen diese erst durch Wasserzugabe aufquellen, bevor sie eingestreut werden. Im Herstellungsprozess wird reiner Kalk als Katalysator hinzugefügt, der für die einzigartige Fähigkeit dieser Einstreu verantwortlich ist: Statt eines Fäulnisprozesses wird ein Kompostierungsprozess in Gang gesetzt. Hierzu werden jedoch keine fremden Mikroorgansimen in die Box gebracht – das vorhandene Milieu der Pferdebox wird nur so verändert, dass Fäulnisbakterien geschwächt werden. Die Box muss laut Hersteller 2-3 täglich abgeäppelt werden, der Urin wird nicht nur aufgesogen, sondern auch neutralisiert. Extrem nasse Stellen können getrocknet, umgewälzt oder durch Untermischen von HIPPODUNG®-Kompost behoben werden. Der Misthaufen wird erheblich verkleinert, da die Mistmenge auf 10 % reduziert und der Verrottungsprozess deutlich erhöht wird, sodass in kürzester Zeit ein wertvoller Dünger entsteht.

Es gibt viele Studien hinsichtlich Staubentwicklung, Saugfähigkeit, Lagermöglichkeiten, Entsorgung und Kosten, aus denen aber letztendlich keine Einstreu als eindeutiger Sieger hervorgeht. Langstroh hat sich trotz aller Konkurrenz bis heute bewährt und viele Pferdebetriebe setzten nach wie vor auf die altbewährte Einstreu. Für Allergiker oder kolikgefährdete Pferde ist sicherlich eine staubärmere- und weniger genießbare Variante- von Vorteil. Auch eine Mischhaltung mit Gummimatten spart eine Menge Einstreu ein, kann je nach Pflege auch trockener und keimfreier sein. Je nach Betriebsgröße, Zeitaufwand, Budget und den Ansprüchen der Pferde selbst können unterschiedlichste Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Letzten Endes muss individuell entschieden werden, welche Einstreu in Frage kommt. Qualität sollte trotz aller Zeit- und Kosteneinsparungen an erster Stelle stehen, damit das Pferd sich wohlfühlt und ein gesundes Stallklima ermöglicht wird.

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