Blutegel-Therapie bei Pferden

Mücken, Zecken und Co. haben als blutsaugende Plagegeister einen schlechten Ruf, können Krankheiten übertragen und sorgen für unangenehme Folgeerscheinungen. Auch der Blutegel hat als „Blutsauger“ einen durchaus schlechten Ruf: Er sei schleimig, glitschig und gleiche einer blutdurstigen Nacktschnecke- völlig zu Unrecht!  Schon seit Jahrhunderten ist er bei der Behandlung stumpfer Verletzungen im Einsatz und für seine heilende Wirkung bekannt, sowohl bei Tieren als auch Menschen.

Die positive Wirkung von Egelbissen auf die unterschiedlichsten Erkrankungsbilder ist so bekannt, dass der Medizinische Blutegel in Deutschland bereits als Fertigarzneimittel eingestuft ist. Dies bedeutet allerdings auch, dass der einmal verwendete Egel nach seinem Einsatz entsorgt werden muss. Das verhindert ein Übertragen von Keimen und Viren auf andere Menschen und Tiere, aber auch auf seine Artgenossen. Bewährt hat sich hierbei ein schonendes Einfrieren der wechselwarmen Tierchen. Alternativ gibt es Zuchtstätten, die “Rentnerbecken” anbieten, wo die Egel bis zu ihrem natürlichen Versterben im Wasser leben.

Doch was genau macht die Blutegel-Therapie nun so besonders?

Es ist ein Mix aus verschiedenen Wirkstoffen, welcher sich im Speicher der Egel befindet: Ca. 20 medizinisch wirksame Stoffe sind dort enthalten. Der bekannteste Wirkstoff ist Hirudin der antibiotisch und entzündungshemmend wirkt. Dazu kommt eine schmerzlindernde Wirkung des Egelspeichels. Der Biss selbst ist -je nach Empfindlichkeit- kaum zu spüren, immer mehr Forscher vermuten, dass ein lokal wirksames Anästhetikum freigesetzt wird, sodass das Ansetzten schmerzfrei verläuft.

Ein weiterer Vorteil: die Blutegel orientieren sich an Körperwärme und Pulsation. Das heißt, sie beißen direkt am eigentlichen Entzündungsherd an und injizieren dort ihre heilenden Wirkstoffe. Selbst Forscher könne sich diese Wirkung bis heute nicht genau erklären. Fest steht – die kleinen Blutsauger haben schon mehrfach bewiesen, dass sie herkömmlichen Schmerzmitteln in nichts nachstehen oder sogar eine bessere Wirkung erzielen.

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Blutegel Behandlung am Pferd (Bild: ©Fotolia)

Vor der Behandlung muss die betroffene Stelle rasiert werden, denn Haare können ein Grund dafür sein, dass die Egel nicht beißen.  Im Vorfeld, bestenfalls schon einige Tage vorher, sollten auch keine Sprays, Lotionen oder andere Mittel aufgetragen werden, da die Egel sehr empfindlich auf Duftstoffe reagieren und ggf. nicht anbeißen. Auch bei ungemütlichem Wetter, zu niedrigen Temperaturen  oder Gewitter beißen die Egel schlechter.

Je nach Größe können die Egel 20 bis 40 ml Blut aufnehmen und lassen am Ende von selbst los. Eine  Behandlung kann 10 bis 120 Minuten dauern. Hinterlassen wird eine sterile, sternenförmige Wunde, die bis zu 24 Stunden leicht nachbluten kann. Weitere Maßnahmen zum Stillen der Blutung müssen normalerweise nicht unternommen werden, die Egel geben beim Loslassen nochmals entzündungshemmende Stoffe  ab und das Nachbluten reinigt die Wunde zusätzlich.

Die Anwendung von Blutegeln ist oftmals eine enorme Unterstützung bei einer Vielzahl von Erkrankungen, beispielsweise Gelenkbeschwerden, Entzündungen oder Arthrose.

Im Pferdesport sind es immer häufiger überlastete Sehnen und Bänder, Fesselträgerverletzungen und Gallen, bei denen die Therapie durch den Einsatz von Blutegeln ergänzt wird, aber auch bei Huferkrankungen wie akuter Hufrehe und Hufrollenproblematiken kommen sie zum Einsatz. Selbst bei einfachen Schwellungen/Prellungen und Wundheilungsstörungen verschaffen sie Erleichterung und verbessern den Heilungsprozess.

Natürlich können, besonders bei empfindlichen Patienten, auch Nebenwirkungen auftreten wie bspw. Schwellungen, Jucken oder in Einzelfällen sogar entzünden der Wunde.

Nicht nur deshalb ist es absolut wichtig, dass die Behandlung nur durch ausgebildete und erfahrene Therapeuten erfolgt – auch wenn es sich vielleicht nicht allzu kompliziert anhört und Blutegel rezeptfrei in der Apotheke zu bekommen sind.

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