Equikinetic

Seit einigen Jahren ist eine Trainingsmethode im Kommen: EQUIKINETIC®.

Wir haben uns das Intervalltraining für Pferde mal etwas genauer angeschaut und erklären, was sich hinter dem „Longieren mit den gelb-blauen Balken“ verbirgt.

EQUIKINETIC® ist ein Longierprogramm, das vor einigen Jahren von Michael Geitner und Alexandra Schmid entwickelt wurde. Es beruht auf dem isokenetischen Trainingsprinzip (iso = gleich, kinesis = Bewegung). Bei korrekter Ausführung wird die gesamte Muskulatur trainiert ,die ein Pferd benötigt, um in sich geradegerichtet auf einer Kreislinie laufen zu können. Im Schritt wird vor allem auf Tempo und Takt geachtet, während das Pferd im Trab so langsam und taktvoll wie möglich laufen soll. EQUIKINETIC® wird als „Vollzeittraining“ an zwei Tagen in der Woche eingesetzt, sodass nach ein bis zwei Monaten ein Aufbautraining abgeschlossen wird. Bei Rehapferden oder nach einer Verletzungspause kann es auch bis zu drei Monaten dauern, im Anschluss reicht ein einmaliges Training pro Woche.

Benötigt werden für das Training eine leichte Longe (ca. 5 Meter), eine Longierpeitsche und ein Kappzaum. Zudem wird ein Timer zur Messung der Zeitintervalle benötigt. Auf Ausbinder jeglicher Art wird verzichtet, weil angenommen wird, dass auf den Druck, den die Ausbinder auslösen, das Pferd mit Gegendruck reagiert, was wiederum zu einer verspannten Muskulatur führt. Die eigentlichen Hilfsmittel des Intervalltrainings sind jedoch 12 Pylonen sowie 4 oder 8 Dualgassen. Das sind 3 Meter lange, mit Schaumstoff gefüllte Balken in Gelb und Blau. Es ist absolut wichtig, keine Holzstangen zu benutzen, da die Verletzungsgefahr zu hoch ist!

Aus diesen zweifarbigen Gassen wird nun eine Quadratvolte gelegt, deren Durchmesser bei Großpferden acht Meter beträgt und bei kleineren Pferden entsprechend angepasst werden muss. Der Abstand zwischen den Gassen sowie der Gasse mit den Pylonen sollte 0,8 – 1,5 Meter nicht überschreiten.

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Schematischer Aufbau der Quadratvolte

Beim ersten Training wird der Intervalltimer auf 60 Sekunden Arbeitsphase und 45 Sekunden Pausenzeit eingestellt – bei insgesamt acht Runden. Handwechsel werden nach jeder zweiten Einheit durchgeführt.

Da auf einem relativ kleinen Zirkel gearbeitet wird, läuft man ca. eine gute Armlänge entfernt an der Schulter des Pferdes mit. Hierfür werden folglich auch nur die Gangarten Schritt und Trab verwendet. Somit beeinflusst auch die Schrittlänge des Longenführers das Pferd, deshalb sollte er mit zügigen, großen Schritten das Pferd begleiten, sodass ein flottes aber vor allem gleichmäßiges Tempo erreicht wird. In der Arbeitsphase sollte eine gleichmäßige Innenstellung mit dem Longieren durch die Gassen erreicht werden. Bei der korrekten Biegung in der Wendung tritt der äußere Hinterhuf auf derselben Linie wie der Vorderhuf. Wichtig ist ebenso, dass das Pferd losgelassen beziehungsweise zwanglos läuft und sich gerne vorwärts-abwärts dehnt!

Für das Pferd ist das Intervalltraining äußerst anstrengend und erklärt die relativ „kurzen“ Intervalle. In den Pausen wird dem Pferd keine Stellung/Haltung abverlangt und es darf sich inner- oder außerhalb der Gassen im Schritt bewegen. Denn auch wenn uns diese 20 Minuten zunächst wenig erscheinen – für unsere Pferde ist es mental und körperlich eine echte Herausforderung. Von daher ist es besonders wichtig, den Pferden auch zwischen den Einheiten zwei Tage Pause zu gönnen und in dieser Zeit ruhige Schrittausritte oder Spaziergänge mit einzubinden. Diese Ruhephasen sind besonders für den Muskelaufbau unabdingbar! Wenn das anfängliche Training dreimal absolviert wurde und das Pferd keine Ermüdungserscheinungen zeigt, kann in die nächsthöhere Stufe gesteigert werden.

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EQUIKINETIC® Trainerin Frauke Mayer mit Payaso (www.dual-aktivierung-ditzingen.de)

Diese Trainingsmethode stellt eine effiziente Möglichkeit dar, Pferde jeglichen Alters, Ausbildungs- und Leistungsstands zu stärken und eignet sich auch hervorragend als Aufbautraining für Rehapferde. Die spezielle Longiertechnik sorgt vor allem dafür, dass die bewegungsrelevante Oberflächenmuskulatur trainiert wird, sodass der Reiter „gesünder“ getragen wird. Auch die gelenkstützende Tiefenmuskulatur wird gestärkt und durch die angewandte Technik wird das Geraderichten des Pferdes unterstützt – so wird nicht nur Balance und Kraft gesteigert, sondern die allgemeine Rittigkeit des Pferdes verbessert und der Bewegungsablauf verbessert. Das Training erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Koordination und bedeutet für die Pferde körperliches und geistiges Training. Kurz gesagt: EQUIKINETIC® hilft dabei, an den richtigen Stellen Muskulatur aufzubauen, unterstützt das Pferd, sich gerade zu richten und hält es gesund.

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