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Vom Bewegungsstall zum Aktivstall

Seit etwa 20 Jahren gibt es Aktivställe in Deutschland und diese erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. In diesem Beitrag möchten wir Ihnen das Konzept von Aktivställen näherbringen und dabei die Vorteile sowie mögliche Nachteile aufzeigen, um einen Gesamtüberblick zu verschaffen.

Bedingungen für einen Aktivstall

Nicht jeder Stall mit ausreichend Bewegungsfläche kann sich Aktivstall nennen, dafür müssen ganz bestimmte Kriterien erfüllt werden.

Einzelne Funktionsbereiche

In einem Aktivstall leben Pferde im Herdenverband und bewegen sich relativ frei auf einer eingezäunten Fläche. Innerhalb dieses Bereiches muss es verschiedene Funktionsbereiche geben, die klar voneinander getrennt sind und möglichst weit voneinander entfernt liegen, damit das Pferd ständig in Bewegung ist. Zu den Funktionsbereichen gehören: Fressplätze, Flächen für Tränken, Liege- und Ruheflächen, Auslaufflächen, Flächen für rangniedrige Pferde, Rundwege und Integrationsboxen für neu dazu kommende Pferde.

Aufteilung der Funktionsbereiche

Darüber hinaus werden gerne Raumteiler für die verschiedenen Funktionsbereiche mit eingebaut, dazu gehören Baumstämme, Steinwälle und Grüninseln. Diese sehen nicht nur schön und natürlich aus, sie verlängern als Hindernis den direkten Weg zwischen den Funktionsbereichen und führen somit zu einem längeren Laufweg und mehr Bewegung für die Pferde.

Der richtige Boden für die einzelnen Funktionsbereiche im Aktivstall

Eine wichtige Voraussetzung für viel Bewegung und die Ausübung des natürlichen Verhaltens wie Spielen und Wälzen ist ein guter Boden. Für die verschiedenen Funktionsbereiche werden gerne auch unterschiedliche Böden eingesetzt, diese müssen aufgrund der täglichen und intensiven Beanspruchung besondere Eigenschaften vorweisen. Insbesondere bei schlechtem Wetter ist es wichtig, dass die Ruhe- und Liegeplätze nicht schlammig werden. Um Pützenbildung und Schlamm zu vermeiden gibt es aus unserer Sicht zwei Möglichkeiten: Zum einen mit einem wasserdurchlässigen Unterbau zu arbeiten, wie zum Beispiel mit Paddockmatten oder zum anderen mit einem wasserundruchlässigen Untergrund. Bei einem wasserdurchlässigen Unterbau muss als oberste Sandschicht (=Tretschicht) auch ein wasserdurchlässiger Sand verwendet werden. Dafür eignet sich der stresan® N Paddock. Er lässt das Wasser nach unten abfließen und weißt durch seine Eigenschaften einen geringen Hufabrieb und hohe Elastizität auf. Zum Reiten ist dieser Sand allerdings nicht geeignet, da er tiefer als Reitsand ist. Er bietet aber beim natürlichen spielen und bewegen eine hohe Trittsicherheit. Bei dem wasserundurchlässigen Untergrund empfehlen wir den stresan® A als Tretschicht. Dabei ist zu beachten, dass die Fläche am höchsten Punkt des Geländes und mit einem Gefälle angelegt werden muss, damit das Wasser ablaufen kann. Dieser Sand könnte dann auch zum Reiten oder longieren genutzt werden. Wenn die Wege zwischen den einzelnen Funktionsbereichen nicht trittfest sind, ist zu überlegen, ob nicht auch diese mit Sand ausgebaut werden, um die Gelenke und damit die Gesundheit der Pferde zu schonen und um matschige Stellen zu vermeiden.

Transponder

Erst der Transponder macht aus einem Lauf- bzw. Bewegungsstall einen Aktivstall. Der Transponder kann an ein Hals- oder Fußband befestigt, in die Mähne eingeflochten oder als Chip unter die Haut gesetzt werden. Dieser ermöglicht einen beinahe automatischen Ablauf des Pferdebetriebs, wie beispielsweise eine automatisierte Fütterung. In dem Transponder sind Daten zum Pferd gespeichert, beispielsweise wie viel Futter das Pferd pro Mahlzeit erhält oder auf welche Flächen es Zutritt hat, denn der Weg kann dem Pferd durch z.B. Schranken verwehrt werden. Der Transponder hat also zwei Hauptaufgaben: Die Futterdosierung und die Zugangsberechtigung für die einzelnen Flächen auf denen die Pferde sich bewegen können.
In einem Aktivstall werden dem Pferd über den Tag verteilt mehrere kleine Futterportionen zur Verfügung gestellt. Dies ist nicht nur dem natürlichen Fressverhalten des Tieres nachempfunden, sondern auch gesünder, da der Pferdemagen ständig Magensäure produziert. Bleibt dieser sonst lange und häufig leer, beginnt die Säure nach einer gewissen Zeit den Magen anzugreifen. Aus diesem Grund sind die Futterflächen häufig in zwei unterschiedliche Modelle eingeteilt. Zum einen gibt es boxenähnliche Schleusen in welche die Pferde nur einzeln hineinlaufen können. Durch den Transponder erkennt das computergestützte System, welches Pferd sich gerade in der Box befindet und der Schiebemechanismus öffnet dem Pferd einen Zugang zum Rau- und oder Kraftfutter. Nach einer bestimmten Zeit schließt sich dieser wieder und das Pferd muss hinausgehen. Erst nach einer bestimmten Zeit ist es dem Pferd wieder möglich in die Box zu gelangen. Wie häufig und wie lange das Pferd Zugang hat, wird vorher durch den Pferdebesitzer bestimmt und in den Transponder einprogrammiert. Die zweite Möglichkeit sind ganze Flächen, die ausschließlich für die Raufutteraufnahme bestimmt sind. Zu diesen gelangt das Pferd durch eine Schleuse, die sich nur öffnet, wenn dies auf dem Transponder gespeichert ist.
Zugangsberechtigungen kann es auch für andere Flächen geben. Beispielsweise kann aus gesundheitlichen Gründen die Wiese für einzelne Pferde verschlossen bleiben.

Vorteile eines Aktivstalls für das Pferd

Der Aktivstall bietet für das Pferd einige Vorteile. Das Pferd ist im Herdenverband immer an der frischen Luft und kann, bzw. muss sich bewegen, um seine einzelnen Bedürfnisse (fressen, trinken, ruhen) zu befriedigen. Gleichzeitig wird dadurch dem natürlichen Bewegungsdrang nachgegangen. Die ständige Bewegung und der soziale Kontakt innerhalb der Herde sorgen überdies dafür, dass keine Langeweile aufkommt und das Wesen des Tieres generell ausgeglichener ist. Vor allem für Jungpferde ist der soziale Kontakt wichtig, um das richtige Verhalten innerhalb der Herde zu erlernen. Ältere Pferde hält der ständige Kontakt zu anderen Pferden fitter. Wie lange das Pferd braucht, um sich an das neue Leben in der Herde zu gewöhnen ist ganz individuell von dem Tier abhängig. In der Regel gewöhnen sich Jungpferde schneller an die neuen Umstände. Ältere Pferde, die ihr Leben lang Boxenhaltung gewöhnt sind, brauchen länger.
Die häufigen und kleineren Futterportionen können individuell an jedes Pferd angepasst werden, sodass keiner zu viel oder zu wenig Futter bekommt. Dies und die Bewegung wirken auf das ganze Pferd gesundheitsfördernd. Durch eine geringere Staubbelastung als im Stall, kann überdies das System des Aktivstalls eine Verbesserung bei Atemwegserkrankungen gesehen werden.

Vorteile eines Aktivstalls für den Menschen

Für den Menschen bedeutet der Aktivstall eine enorme Arbeitsentlastung. Die Fütterung wird automatisch übernommen, lediglich die Futtertanks müssen regelmäßig aufgefüllt werden. Die Zusatzkosten für den Weideservice entfallen, bzw. es muss niemand aus der Stallgemeinschaft die Pferde auf die Wiese stellen und wieder reinholen. Zudem ist das Pferd immer in Bewegung, sodass gerade für „Rentner“ nicht unbedingt zusätzliche Bewegung geschaffen werden muss.

Nachteile eines Aktivstalls für das Pferd

Auch ein Aktivstall ist nicht perfekt, denn je nach Aufbau des Aktivstalls ist durch die Fütterungs-Automaten kein gemeinsames Fressen der Herde möglich. Dadurch fällt ein zeitintensiver Sozialkontakt der Herde während der Raufutteraufnahme weg. Für rangniedrige Pferde kann diese Haltungsform Stress bedeuten, wenn für sie, aufgrund von Platzmangel, keine Ruheflächen geschaffen werden.

Nachteile für den Menschen

Zu Beginn verursacht der Umbau eines normalen Reitstalls in einen Aktivstall, bzw. der Neubau hohe Investitionskosten. Neben den entstehenden Kosten spielt auch der Platz eine große Rolle. Es muss eine große Fläche zur Verfügung stehen, in der die verschiedenen miteinander verknüpften Funktionsbereich vorhanden sind. Der Mehraufwand für die Instandhaltung aufgrund der Größe und der verschiedenen zur Verfügung stehenden Bereiche, ist auch ein weiterer Faktor für den Aktivstallbesitzer, der zu bedenken ist. Zudem kann die Unterbringung des Pferdes in einem Bewegungs- oder Aktivstall sehr zeitintensiv sein. Durch die längeren und nur bestimmt begehbaren Wege, dauert es unter Umständen länger das Pferd zu sich zu holen, als wenn man es „einfach aus der Box holen“ kann.

Fazit

Alles in allem ist die Haltung im Bewegungs- oder Aktivstall eine gute Alternative zu den herkömmlichen Haltungsformen. Insbesondere das Nachempfinden eines natürlichen Lebens hat viele Vorteile für das Pferd. Gerade für ältere Pferde („Rentner“ die nicht mehr geritten werden) und Jungpferde sind die vielen Bewegungsmöglichkeiten von großem Nutzen, um die Gesunderhaltung zu fördern. Aber wie immer sind eine gute Ausführung, Stallmanagement und die richtige Qualität des Stalls wichtige Voraussetzungen für einen guten Bewegungs- oder Aktivstall.