Wie erkenne ich gutes Heu

Zum Ende der Weidezeit stellt sich vor allem für private Pferdehalter häufig die Frage: Woher bekomme ich genügend und vor allem gutes Heu für die Wintermonate? In den letzten Jahren ist es leider eher zu einer Seltenheit geworden, dass Heu direkt über den Stallbesitzer bezogen werden kann. Nur noch in wenigen Fällen, wird auf den Wiesen des Hofes eigenes Heu hergestellt, die Lieferung von außerhalb ist daher kaum zu vermeiden.

wie erkenne ich gutes heu
Hier scheint das Heu zu schmecken. (Bild: © Pixabay)

Doch was genau bedeutet qualitativ hochwertiges Heu- nicht in unseren Augen, sondern aus Sicht des Pferdes?

Für unsere vierbeinigen Freunde und ehemaligen Steppentiere ist vor allem ein arten- und nährstoffreiches Gras (und Heu) das Grundnahrungsmittel und stellt den wichtigsten Rohfaser- und Strukturlieferanten dar. Eine Faustregel zur Fütterung besagt, dass pro 100 kg Pferdegewicht ca. ein Kilogramm Heu täglich gefüttert werden sollte.

Viel Faser, wenig Wasser, wenig Eiweiß und kaum Zucker, dazu Kräuter und Gräser – so sieht das perfekte Heu aus, um ein Pferd optimal versorgen zu können. Doch dies stellt heutzutage ein großes Problem für die Landwirte dar: Flächenkonkurrenz von Futter- und Nutzpflanzen, Verarmung von Weiden und Wiesen sowie steigende Preise zwingen sie dazu, sogenannte Hochleistungsgräser anzubauen. In kurzer Zeit ein großer Ertrag an Grünfutter – für Höchstleistungsrinder, die möglichst ohne Kraftfutter auskommen sollen – perfekt. Der hohe Eiweißgehalt, geringer Nähstoffanteil, fehlende Rohfaseranteile und viel Wasser machen es jedoch alles andere als pferdegerecht.

Die Qualität des Heus hängt auch von der eigentlichen Ernte ab. Da das Pferd von Natur aus sensible Atmungsorgane und einen empfindlichen Verdauungstrakt hat, ist hygienisch einwandfreies Futter umso wichtiger. Das Heu sollte trocken und sauber sein und nach Möglichkeit über einen hohen Rohfasergehalt von ca. 30% verfügen. Diesen erkennt man schon daran, wie sich das Heu beim Anfassen anfühlt. Es sollte rau, blattarm und möglichst stängelreich sein. Der Knicktest ist hierbei außerdem nützlich: Knickt man das Heu, sollten möglichst alle Halme durchbrechen. Ist das Heu zu weich, ist es ein Zeichen dafür, dass es zu blattreich ist. Es birgt besonders viel Eiweiß und nicht genügend Rohfaser. Sperriges, zu stängeliges Heu hingegen ist zu spät gemäht worden und kann unter Umständen, aufgrund schlechterer Verdaulichkeit, Darmverstopfungen hervorrufen. Ideal ist Heu ab einer Länge von 20 cm – die Pferde kauen lange, der Speichel dient dabei im Magen als Puffer und kann einer Magenübersäuerung vorbeugen. Um übermäßige Verschmutzung des Heus zu verhindern, sollte das Heu mit einem Bodenabstand von ca. 5 cm geschnitten worden sein. So gelangen Erde und Verunreinigungen des Bodens nicht direkt in das Heu und damit in den Pferdemagen.

Das ausreichende Abtrocknen vor der Fütterung ist ebenfalls sehr wichtig- es muss nach dem Pressen 8-12 Wochen liegen bis es verfüttert werden kann, da die Nachschwitzphase abklingen muss und das Heu erst dann komplett trocken ist. Experten können am Aussehen und Geruch ziemlich genau abschätzen wann der ideale Feuchtigkeitsgrad (<12 %) erreicht ist, sollte die eigene Erfahrung aber noch nicht so ausgeprägt sein, ist ein Feuchtemessgerät hilfreich. Feuchtemessgeräte gibt es speziell für Heu und Stroh von vielen verschiedenen Anbietern bspw. von Agreto oder Draminski, angefangen bei ca. 100 € bis zu ca. 600 €. Sie unterscheiden sich vor allem hinsichtlich der Messgenauigkeit und verschiedener Messfunktionen.

Offensichtliche Anzeichen von Verderblichkeit, wie z.B. Lager- oder Schimmelpilze sollten in jeden Fall vor der Fütterung unbedingt erkannt und das Heu direkt entsorgt werden. Ist ein Heuballen von außen braun, ist das allerdings nicht sofort ein Grund zur Sorge. Häufig liegt es daran, dass das Chlorophyll, ein natürlicher Farbstoff der von Pflanzen gebildet wird, nicht lichtstabil ist und daher sehr schnell ausbleicht.

Qualitativ minderwertiges Heu kann nicht nur zu Verdauungsproblemen, sondern auch Stoffwechselkrankheiten und Mangelerscheinungen führen. Es ist somit ausgesprochen wichtig, sich frühzeitig um gutes Heu zu kümmern, um unsere vierbeinigen Lieblinge artgerecht und bestmöglich versorgen zu können.

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